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Warum die Schweizer Uhrenindustrie so besonders ist

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von Fynn

Die Schweiz ist bekannt für wertvolle Uhren von herausragender Qualität. Aber warum eigentlich? Die Schweizer praktizieren die Handwerkskunst bereits seit dem 17. Jahrhundert. Seitdem wird ein sehr hoher Standard an die Uhrmacherei angelegt und Swiss Made ist zu einem weltweiten Qualitätsmerkmal geworden.

Innovation aus der Schweiz

Zwar wurden die ersten Taschen- und Armbanduhren nicht in der Schweiz, sondern in Frankreich erfunden, aber die Eidgenossen sind verantwortlich für die moderne mechanische Uhrentechnologie.

So stammen die ersten Armbanduhren, die sich zunächst beim Militär (etwa bei Piloten und Offizieren) und später auch in der zivilen Gesellschaft durchsetzten, von Schweizer Firmen. Ab 1914 etablierten Unternehmen wie Rolex sie als Chronometer, also als besonders präzise Messgeräte, was vor allem in der Seefahrt gefragt war. Auch waren die Schweizer Uhrenhersteller als erste mit absolut wasserdichten Modellen erfolgreich.

Ab etwa 1930 entwickelte die Firma Certina (heute ein Teil der „Swatch-Group“) das „DS-Prinzip“, was für doppelte Sicherheit steht. Dabei wurde ein äußerst resistentes Uhrgehäuse entwickelt, das auch bei extremen Belastungen Schutz gewährt. Die Uhren dieses Unternehmens sind auch heute noch vor allem bei Sportlern beliebt, so auch der Certina DS Sport Herrenchronograph. Darüber hinaus gelang es Schweizer Uhrmachern, ihre Modelle gegen Magnetfelder abzuschirmen, den Präzisionsstandard nach oben zu schieben und sie mit einer speziellen Legierung noch widerstandfähiger zu machen. Durch diese Errungenschaften sind die Schweizer Hersteller seit fast 100 Jahren Markt- und Technologieführer bei mechanischen Uhren – bis heute.

„Swiss Made“ – das höchste Gütesiegel der Uhrenbranche

Schweizer Uhren erlangten bereits in der Mitte des 20. Jahrhunderts Weltruhm. 1971 wurde dann gesetzlich normiert, welche Zeitanzeiger tatsächlich mit der gefragten Herkunftsbezeichnung versehen werden dürfen. Heute gilt als Grundsatz: Es müssen mindestens 60 Prozent der Herstellungskosten in der Schweiz angefallen sein, damit eine Uhr das Label „Swiss Made“ erhalten kann.

Diese Regelung wurde 2017 erneut verschärft und es gibt detailreichere Auflagen. Das zeigt vor allem, dass das Siegel weiterhin begehrt und schützenswert ist. Die Schweizer Hersteller wie Hamilton, Maurice Lacroix oder Alpina legen viel Wert darauf, ihren guten Ruf und ihr Markenzeichen zu behalten.

Die Assoziation mit Zuverlässigkeit, Präzision und Fairness soll nicht durch Konkurrenten verloren gehen, die an der Qualität sparen, um günstigere Uhren anzubieten. Mit dieser Vorgehensweise sichert die Schweiz ihre einzigartige Uhrenqualität ab und die Faszination von „Swiss Made“ darf weiter bestehen bleiben.

Schweizer Uhren in der Popkultur

Schweizer Uhrenhersteller sind allgegenwärtig: Rolex- und Omega-Uhren sieht man regelmäßig in James-Bond-Filmen und Uhren von Certina und Swatch tragen so viele Sportler, dass es fast gar nicht mehr auffällt. Natürlich tragen all diese Momente zur Einzigartigkeit und zum Flair von „Swiss-Made“-Uhren bei.

Wie steht es um die Schweizer Uhrenindustrie?

1970 erlebte die Uhrenindustrie die sogenannte „Quarzkrise“. Elektronische Uhren etwa aus Japan waren um ein Vielfaches günstiger als mechanische. Viele traditionelle Hersteller gingen deswegen in Konkurs. In den USA und Deutschland verschwand die Industrie beinahe vollends.

Allein die Schweizer Hersteller überstanden diese Entwicklung und profitierten auf lange Sicht sogar davon. Wegen des einzigartigen Images und der hohen Qualitätsstandards blieben die Käufer treu. Seit 1990 sind die Käuferzahlen bei mechanischen Uhren wieder stark angestiegen und übertreffen in vielen Bereichen die Zahlen der Verkäufe von elektronischen Uhren.

Aktuell exportiert die Schweiz jährlich Uhren im Wert von etwa 20 Milliarden Euro. Die Uhrenhersteller beschäftigen rund 60.000 Personen und sind damit nicht der größte, aber ein sehr geachteter Wirtschaftszweig in der Alpenrepublik.

Die Wiege der Uhrenindustrie und der Garant für die Zukunft

La Chaux-de-Fonds und Le Locle, zwei kleine Städte im Kanton Jura, gelten als die Wiege der schweizerischen Uhrenindustrie. Seit nun über drei Jahrhunderten profitiert die Region von der Kunstfertigkeit ihrer Uhrmacher. Hochwertige Marken wie Tissot, Mido und Certina lassen immer noch in der Region produzieren. Weltberühmte Marken wie Patek Philippe, Omega, Rolex, IWC oder Tag Heuer prägen noch heute das Bild der Schweiz im Ausland. Zu nennen wären auch Biel und Genf als Zentren der mechanischen Uhrenindustrie.

Angehende Uhrmacher aus der ganzen Welt zieht es an die speziellen Schweizer Schulen, um sich innerhalb von vier anspruchsvollen Jahren zum Uhrmacher ausbilden zu lassen. Zwei zusätzliche Jahre dauert es, das filigrane Handwerk der Restauration zu erlernen. Die Anforderungen sind hoch, viele werden nicht zu der renommierten Ausbildung zugelassen.

Mit diesem System sichert sich die Schweizer Uhrenindustrie für die Zukunft ab. Minderwertige Kopien und Fälschungen sind für viele Verbraucher attraktiv. Die Schweiz hingegen setzt auf „Swiss Made“-Qualität und traditionelles Handwerk und ist damit überaus erfolgreich.